Gruppenbild mit Irma May Friedrich Enders

Friedrich und Irma Enders, geb. May

Burgfriedenstraße 15

Dr. Friedrich Enders
Geburtsdatum: 13.1.1904
Flucht: 1939 Belgien
Haft: 1943 in Brüssel, Saint Gilles,
KZ Sachsenhausen
Todesdatum: 26.2.1945

Irma Enders, geb May
Geburtsdatum: 25.12.1907
Flucht: 1939 Belgien
Haft: 1943 in Brüssel, Saint Gilles
Deportation: KZ Auschwitz, befreit
Todesdatum: 7.3.1945 (infolge der Haft

Friedrich Wilhelm Enders wurde 1904 in Oberlahnstein am Rhein geboren. Seine Eltern waren Wilhelm Christian Karl Enders und Elisabeth Enders, geb. Schlau. Die christliche Familie zog nach Friedrichs Geburt nach Rödelheim. Karl (auch Carl) Enders ist ab 1907 im Rödelheimer Adressbuch in der Alexanderstraße und ab 1908 in der Cäcilienstraße 18, die später in Burgfriedenstraße umbenannt wurde, verzeichnet, ab 1915 im Erdgeschoss der Burgfriedentraße 15. Als Beruf wird Eisenbahnschaffner und später -zugführer angegeben.

Irma Enders wurde 1907 in eine jüdische Familie in Rödelheim geboren. Ihre Eltern waren der am 11. Mai 1876 in Groß-Karben geborene Julius May und die am 21. Januar 1883 in Düdelsheim geborene Selma May, geb. Heß. Irma May wohnte mit ihren Eltern, ihrem Bruder Ernst und ihrer Schwester in der Niddagaustraße 21.

Friedrich Enders studierte in Frankfurt und promovierte 1928 an der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Frankfurt. Danach war er als Unternehmensberater tätig.

Am 31. Dezember 1930 heirateten Friedrich Enders und Irma May und wohnten nun gemeinsam in der Burgfriedenstraße 15.

Ab 1933 galt ihre Ehe nach diffamierender nationalsozialistischer Definition als sogenannte „Mischehe“. Das Eingehen einer solchen Ehe wurde den Erlass der Nürnberger Gesetze vom 15. September 1935 von den Nationalsozialisten verboten und als sogenannte „Rassenschande“ strafbar. Da Irma und Friedrich sich nicht trennen wollten, suchten sie Schutz vor Verfolgung in Belgien. Nach Angabe des Bruders von Irma Ernst May in einer Suchanzeige aus dem Jahr 1946 lebten sie seit 1939 in Brüssel. Bevor sie in Belgien einreisten, lebten sie in Köln-Braunsfeld. Von dort fuhren sie am 1. Januar 1939 mit dem Auto nach Brüssel.

In einer Meldung an das Reichssicherheitshauptamt vom 10. September 1943 wird ihre Verhaf-tung mitgeteilt. Aus der Meldung geht hervor, dass ihnen Passierscheinfälschung für deutsche, holländische und belgische Staatsbürger von Anfang 1941 bis August 1943 vorgeworfen wur-de. Ein „Sonderführer Rösser“, ein Studienfreund von Friedrich Enders, sorgte angeblich dafür, dass die Papiere bei der Passierscheinstelle in Brüssel ungeprüft genehmigt wurden. Er wurde ebenso wie der mit den Enders´ befreundete „Jude Alfred Herzfeld aus Köln“ wegen Mittäterschaft verhaftet.

Von Irma Enders ist bekannt, dass sie erstmals am 7. August 1943 im Gefängnis von St. Gilles bei Brüssel inhaftiert wurde, ein zweites Mal am 4. November 1943. Bestätigt ist auch eine Inhaftierung dort vom 15. Februar bis 24 März 1944. Inwieweit die erste Inhaftierung bereits mit dem Vorwurf der Passierscheinfälschungen in Zusammenhang steht, ist unklar. Zu einem unbekannten Zeitpunkt wurde sie von Belgien nach Auschwitz deportiert.

Bei der Befreiung des Lagers Auschwitz-Birkenau lebte sie noch. Sie wird in einer Liste des polnischen Roten Kreuzes als Patientin im Krankenhaus in Auschwitz-Birkenau geführt. Am 7. März 1945 starb sie dort jedoch an völliger Entkräftung infolge ihrer Haft.
Friedrich Enders wurde ins Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt. Dort starb er am 26. Februar 1945, zwei Monate vor der Befreiung des Lagers. Auf dem Rödelheimer Friedhof erinnert eine Inschrift auf dem Familiengrabstein der Familie Enders an Friedrich Wilhelm und Irma Enders.

Irmas Bruder Ernst May konnte in die USA fliehen, auch der Schwester gelang die Flucht. Ob auch ihren Eltern Julius und Selma May die Flucht in die USA gelang, ist bisher nicht doku-mentiert. In einem Brief einer Überlebenden der jüdischen Familie Schönthal schreibt diese, dass Irmas Eltern bis 1956 in New York lebten.

Quellen:

  • Krohn, Helga / Rauschenberger, Katharina; Juden in Rödelheim. Die vergessenen Nachbarn, Frankfurt 1990
  • Suchliste Yad Vashem
  • Arolsen Archives
  • Archiv Gruppe Stadtteilerkundung in der Evangelischen Cyriakusgemeinde