Familie Grünebaum

Alt Rödelheim 38

Alt Rödelheim 38 3. Haus von links
Alt Rödelheim 38 3. Haus von links

Erna Grünebaum
Geburtsdatum: 27. Januar 1931
Deportation: vermutlich 1942 Richtung Osten
Todesdatum: unbekannt

Kurt Grünebaum
Geburtsdatum: 28. März 1927
Deportation: vermutlich 1942 Richtung Osten
Todesdatum: 12. September1942 in Majdanek

Max Grünebaum
Geburtsdatum: 14. Juli 1895
Deportation: vermutlich 1942 Richtung Osten
Todesdatum: 29. August 1942 in Majdanek

Martha Grünebaum, geb. Günther
Geburtsdatum: 1. Januar 1897
Deportation: vermutlich 1942 Richtung Osten
Todesdatum: unbekannt

Erna Grünebaum wurde 1931 in eine jüdische Familie in Rödelheim geboren. Ihre Eltern waren der am 14. Juli 1895 in Rödelheim geborene Metzger Max Grünebaum und seine am 1. Januar 1897 in Gießen geborene Ehefrau Martha, geb. Günther. Erna hatte einen älteren Bruder Kurt, der am 28. März 1927 in Rödelheim geboren wurde.

Die Familie wohnte in Alt-Rödelheim 38. Dort betrieben die Grünebaums ein Metzgereigeschäft. Max Grünebaum hatte noch einen Bruder Robert (geboren am 14. Februar 1897). Das Haus gehörte den Eltern, dem am 26. März 1866 in Rendel in der Wetterau geborenen Metzger Leopold Grünebaum und seiner am 29. März 1866 in Rödelheim geborenen Ehefrau Johanna Sara, geb. Meiberg.

Mit der Machtübergabe an die Nationalsozialisten änderte sich die Situation für die jüdischen Familien auch in Rödelheim. Bereits 1933 rief die NSDAP Ortsgruppe die Parteimitglieder auf, jüdische Geschäfte zu boykottieren und den Kontakt mit Juden zu unterlassen. Das vom Rödelheimer Otto Fischer herausgegebene antisemitische „Boykottbuch“ für Frankfurt listete 1934 auch die Metzgerei von Leopold und Max Grünebaum auf.

Am 17. Mai 1936 starb Erna Grünebaums Großvater Leopold Grünebaum.
Ihr Vater Max Grünebaum wurde im Zuge der Novemberpogrome 1938 verhaftet und vom 13. November bis zum 1. Dezember 1938 im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert. Ende 1938 war die Familie gezwungen, ihr Haus zu verkaufen und musste in eine Wohnung in der Liebigstraße 58 umziehen. Wie für viele jüdische Familien begann damit eine Odyssee von wechselnden Unterkünften.

Am 5. Februar 1939 starb auch Erna Grünebaums Großmutter Johanna.
Ab dem 1. Oktober 1940 musste die Familie erneut umziehen und zog nun als Untermieter bei Jenny und Sally Moritz in die Feldbergstraße 42 ein. Es war eines von vielen sogenannter „Ghettohäuser“, in denen als Juden verfolgte Menschen auf engem Raum untergebracht wurden. Dort mieteten sie zwei Zimmer mit Küchenbenutzung im ersten Stock rechts sowie einen Kelleranteil für eine monatliche Miete von 75 RM. Aufgrund angeblicher „Missachtung der Hausordnung“ und „Störung des Hausfriedens“ wurde ihnen am 28. Februar 1941 auch dort gekündigt, woraufhin sie in den Mittelweg 12, ebenfalls ein „Ghettohaus“, umzogen.

Über Erna Grünebaum ist gesichert, dass sie noch in der Liebigstraße 58 bei ihren Eltern wohnte. In einer Suchanfrage ihres Onkels Robert Grünebaum wird als ihr letzter Wohnort der Mittelweg 12 angegeben.

Alt-Roedelheim 38 heute
Alt-Roedelheim 38 heute

Vermutlich von dort wird die Familie 1942 deportiert. Wann genau und wohin ist nicht sicher bekannt. Von den großen Deportationen nach Izbica am 24. Mai und 1. Juni, sowie in die Region Lublin am 11. Juni 1942 sind keine Listen der Frankfurter Deportierten erhalten. Es ist aber zu vermuten, dass die Familie Grünebaum am 11. Juni in die Region Lublin verschleppt wurde. Max und Kurt Grünebaum sind in der Verfolgungsliste des Vernichtungslagers Majdanek 1942 aufgeführt, wo viele der Menschen dieses Transports ermordet wurden. Nach dieser Quelle wurden Max Grünebaum am 29. August 1942 und sein Sohn Kurt am 12. September1942 in Majdanek ermordet. Ort und Zeitpunkt der Ermordung von Erna Grünebaum und ihrer Mutter Johanna sind nicht bekannt.

Von der Familie Grünebaum überlebte lediglich Ernas Onkel Robert Grünebaum, der mit seiner Ehefrau Alice Strauss (1902-1965) im April 1940 in die USA fliehen konnte und dort seinen Namen in Greenebaum änderte. Das Paar bekam in Philadelphia einen Sohn, John Lee (1941-2010). Robert Greenebaum starb am 25. Oktober 1974 in Philadelphia.

Verfolgungsliste KZ Majdanek Kurt Grünebaum
Verfolgungsliste KZ Majdanek Kurt Grünebaum
Verfolgungsliste KZ Majdanek Max Grünebaum
Verfolgungsliste KZ Majdanek Max Grünebaum

Quellen:

  • Krohn, Helga / Rauschenberger, Katharina; Juden in Rödelheim. Die vergessenen Nachbarn, Frankfurt 1990
  • Suchliste Yad Vashem
  • Jüdisches Museum
  • Bundesarchiv
  • Archiv Gruppe Stadtteilerkundung in der Evangelischen Cyriakusgemeinde (Zeitzeugengespräche)

Fotos:

  • Gruppe Stadtteilerkundung in der Evangelischen Cyriakusgemeinde
  • Bildarchiv Yad Vashem
  • Initiative Stolpersteine Frankfurt