Louis Schönthal
Geburtsdatum: 29.11.1873
Deportation: 11.11.1941 Ghetto Minsk
Todesdatum: unbekannt
Anna Schönthal, geb. Kahn
Geburtsdatum: 23.1.1875
Deportation: 11.11.1941 Ghetto Minsk
Todesdatum: unbekannt

Louis Schönthal wurde 1873 als Sohn von Ferdinand Feist Schönthal und der aus Gießen stammenden Johanette (Jette) Schönthal, geb. Hermann, in Rödelheim geboren. Er hatte zwei Brüder, Simon, geboren 1867, Mayer, geb. 1866 und drei Schwestern. Seine ältere Schwester Jenny (1871-1943) heiratete später Jacob Spanjer (1871-1943). Sie lebte mit ihrer Familie zunächst 20 Jahre in der Radilostraße in Rödelheim, bevor sie zu Beginn des Ersten Weltkriegs mit ihrer Familie nach Köln zog. Die jüngere Schwester Frieda (1876-1941) heiratete Bernhard Appel (1875-1941) und lebte mit ihrer Familie in Frankfurt-Bergen. Die dritte Schwester, Johanna (geb. 1864) war mit Nathan Günther verheiratet und lebte mit ihrer Familie in Gießen. Beide verstarben im Jahr 1928 in Gießen. Bruder Simon Schönthal (1867-1951) war mit Jenny Rothenberger verheiratet. Der zweite Bruder Mayer blieb ledig und konnte wie Simon in die USA fliehen. Er verstarb 1937 in Westchester (NY).
Louis´ Ehefrau Anna stammte aus Ober-Ingelheim in Rheinhessen und war die Tochter von Moritz Kahn (1835-1904) und Sophie Seraphine Kahn, geb. Mayer (1845-1905). Sie hatte drei Schwestern, Lina, verheiratete Bloemendal (1873-1942), Flora, verheiratete Müller (1878-1941), Pauline, verheiratete Doiny (1879-1943), sowie fünf Brüder: Eugen (1872-1944), Oskar (1876-1876), Wilhelm (1880-1942), Alexander 1881-1882 und Otto (geboren 1885).
Louis und Anna Schönthal lebten mit ihrer Familie im Haus Alt-Rödelheim 6 zur Miete. Sie betrieben dort ein Geschäft für Kurz-, Weiß- und Wollwaren. Zumeist blieb Anna Schönthal im Geschäft, während ihr Mann auch als Handelsreisender unterwegs war. Er hatte einen Kundenstamm bis in den Taunus. 1931 wurde das Ladengeschäft geschlossen, Louis blieb als Reisender aktiv.
Sie hatten drei Töchter: Johanna, genannt Henny, geboren am 24. Oktober 1901, Lilly (auch Lilli), geboren am 23. Oktober 1903 und Alice, geboren am 16. Juni 1911. Alle drei Töchter besuchten zunächst die Körnerschule und dann die Rödelheimer Realschule.
Die älteste Tochter Henny heiratete am 21. Februar 1927 den aus Meisenheim stammenden Julius David (1883-1943). Mit ihm zog sie nach Hannover um, wo das Paar das Hutgeschäft „Hutkönig Julius David“ eröffnete. Anfang der 1930er-Jahre wohnten sie dort in der Ulanenstraße 5, zuletzt in Ahlem (Kreis Hannover).
Alice und Lilly blieben zunächst bei den Eltern und arbeiteten im Geschäft der Eltern mit. Alice gab später als erlernten Beruf Sekretärin an. Eine der Töchter empfand die Atmosphäre in Rödelheim bereits vor 1933 als nicht judenfreundlich. Ihr sei in der Rödelheimer Realschule von einem Mitschüler ein „Freibillet nach Palästina und nicht wieder zurück“ zugesteckt worden.
Ab 1933 war das Textilgeschäft der Schönthals durch die antisemitischen Boykotte stark geschädigt und musste 1937 aufgegeben werden.
Am 23. Dezember 1936 heiratete Alice Schönthal den aus Bielefeld stammenden Arthur Hochheimer (1904-1979). Ihre Schwester Lilly heiratete am 7. Juli 1938 den aus Frankfurt stammenden Handelsreisenden Salo Heilbronn (1907-1977). Er war zuvor bereits in Berlin seit 1931 mit der evangelischen Hildegard Kneller verheiratet gewesen und wieder geschieden. Lilly musste sich, als ihr Mann kurzzeitig in die Rödelheimer Wohnung mit einzog, von der Hausbesitzerin, mit der die Familie vor 1933 noch sehr freundlich verkehrte, den Satz sagen lassen: „anstatt ein Jud weniger zu haben, ist einer mehr hier im Haus.“
Im Sommer 1938 wurden die Schönthals gezwungen, aus ihrer Wohnung in Alt-Rödelheim 6 auszuziehen. Zusammen mit ihrer Tochter Lilly und deren Ehemann Salo Heilbronn wurden sie mit anderen Jüdinnen und Juden im Haus Am Schwimmbad 9 untergebracht. Während der November-Pogrome 1938 wurde Lillys Ehemann Salo Heilbronn in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt und am 10. Februar 1939 wieder entlassen.
Ende 1938 gelang Alice mit ihrem Ehemann Arthur Hochheimer die Flucht. Im Juli 1938 ging das Paar zunächst nach Berlin. Als letzten Wohnort vor ihrer Flucht gab Alice später Heiligenstadt im Eichsfeld an. Am 31. Dezember 1938 kam das Paar in New York City an.
Auch Lilly und Salo Heilbronn konnten fliehen: im Juni 1939 nach England und im Juli 1940 auf der „Britanic“ weiter nach New York City.
Anna und Louis Schönthal konnten nicht mehr aus Deutschland entkommen. Am 11. November 1941 wurden sie verhaftet, zur Großmarkthalle getrieben und von dort mit der zweiten Massendeportation ins Ghetto Minsk deportiert. Lillys Schwager, Emil Heilbronn, der, ebenfalls nach Minsk deportiert, als einer von nur neun Menschen dieses Transports überlebte, berichtete später, dass sie zunächst mit 500 anderen Mithäftlingen weiter nach Miliec in Polen deportiert worden seien, wo er mit Louis in den Heinkel-Flugzeugwerken Zwangsarbeit leisten musste. In einer weiteren Aussage erklärte er, dass Anna im Juni 1942, Louis drei bis vier Wochen später im Ghetto Minsk verhungerte und in ein Massengrab auf dem jüdischen Friedhof geworfen worden sei.
Auch ihre Tochter Henny und ihr Ehemann Julius David wurden Opfer der Schoah. Am 17. März 1943 wurden beide von Berlin aus nach Theresienstadt deportiert. Julius David starb dort bereits drei Monate später am 17. Juni 1943. Henny wurde 1944 weiter nach Auschwitz deportiert und dort am 12. Oktober 1944 ermordet.
Ihre Schwester Lilly (Lilli) Heilbronn starb 1998 in New York, ihr Mann Salo verstarb bereits 1977. Alice Hochheimer hatte mit ihrem Ehemann Arthur einen Sohn, Frank Hochheimer. Arthur starb am 7. Februar 1979 in Miami, Florida, Alice am 25. August 2004 in Manhasset, New York.
Zwei Schwestern von Louis Schönthal wurden in der Schoah ermordet: Frieda Appel wurde am 22. November 1941 mit ihrem Mann Bernhard von Frankfurt aus nach Kowno/Kaunas deportiert und dort im Fort IX direkt nach der Ankunft ermordet. Jenny Spanjer, die mit ihrer Familie in Köln lebte, versuchte sich 1938 durch die Flucht nach Holland in Sicherheit zu bringen. Sie, ihr Mann Jakob und die Familie ihres Sohnes Max, der Schriftsteller war, wurden von Holland aus 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.
Auch fünf von Annas Geschwister verloren in der Schoah ihr Leben: Lina Bloemendal wurde mit ihrem Ehemann Mannas 1942 von Westerbork nach Auschwitz deportiert und dort, wie auch zwei ihrer Töchter, ermordet. Flora Müller wurde 1941 mit ihrem Mann Simon von Düsseldorf ins Ghetto Riga verschleppt und später für tot erklärt. Pauline Doiny wurde 1942 aus Darmstadt nach Theresienstadt deportiert, wo sie und ihr Mann Samuel 1943 starben. Eugen Kahn und seine Frau Flora wurden 1942 aus Düsseldorf nach Theresienstadt verschleppt und 1944 in Auschwitz ermordet. Auch Wilhelm Kahn starb mit seiner Frau Bertha 1942 in Polen.
Quellen:
Krohn, Helga / Rauschenberger, Katharina; Juden in Rödelheim. Die vergessenen Nachbarn, Frankfurt 1990
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Archiv Gruppe Stadtteilerkundung in der Evangelischen Cyriakusgemeinde
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